Verletzte Vögel

Um den Scheibenaufprall möglichst zu verhindern möchten wir auf unsere Birdsticker hinweisen! Sie sind im Gegensatz zu den handelsüblichen schwarzen Silhouetten oder gelben Streifen praktisch unsichtbar!

Quelle des folgenden Textes: Infonet der Schweizerischen Vogelwarte Sempach

Scheibenaufprall - was tun?

Anprall:
Beim Anflug an Glasscheiben, Freileitungen, Drahtzäune und Fahrzeuge ziehen sich Vögel häufig Schädelverletzungen zu, die äusserlich nicht sichtbar sind, aber häufig zum Tod führen. Behandlung: Der Vogel wird in eine Schachtel oder Kiste mit glatten Wänden gesetzt und an einem ruhigen Ort untergebracht. Nach etwa zwei Stunden sehen Sie nach. Oft ist der Vogel in dieser Zeit eingegangen. Ist dies nicht der Fall, kann er - wenn er keine Bewegungsstörungen zeigt - sofort freigelassen werden. Andernfalls setzt man ihm Futter vor (s.u.).
Vorsicht: Möglicherweise hat sich der Vogel so gut erholt, dass er bei der Kontrolle sofort aus der Schachtel entweicht und das Weite sucht. Dabei sollte er nicht gleich mit einer Fensterscheibe kollidieren - öffnen Sie die Schachtel nur im Freien!

Durchfall:
Nebst vielen anderen Ursachen kann insbesondere ein starker Parasitenbefall des Darmtraktes zu starkem Durchfall führen, der meist schon aufgrund des verklebten Gefieders um die Kloake zu erkennen ist. Wegen des schnellen Stoffwechsels wird der Zustand des Patienten rasch kritisch. Da das verklebte Gefieder im Kloakenbereich Schwierigkeiten verursachen kann (Probleme bei der Kotabgabe, Hautreizung) wird es mit lauwarmem Wasser gereinigt. Der Tierarzt kann bei der Untersuchung einer frischen Kotprobe einen allfälligen Parasitenbefall des Darmtraktes feststellen und die nötigen Medikamente abgeben.

Erschöpfung durch Nahrungsmangel:
Bei ungenügender Nahrungsaufnahme setzt nach der Verwertung aller übrigen Reserven der Abbau der Brustmuskeln ein. Im fortgeschrittenen Stadium ist dies am stark vorstehenden Brustbeinkamm leicht zu erkennen. Behandlung: Wenn der Vogel zu schwach ist, um selbst zu fressen, gehört er in die Hände eines Tierarztes.

Futter für ausgewachsene Vögel:
Tauben
Getreide, käufliches Taubenfutter, Grünzeug

Insektenfresser (Vögel mit schlankem Schnabel):
käufliches Weichfresserfutter, Hackfleisch, Magerquark, gekochtes Eigelb, Mehlwürmer

Körnerfresser (Vögel mit kurzem dickem Schnabel):
käufliche Körnermischung, Obst, Grünzeug

Rabenvögel (z.B. Krähen, Elster, Eichelhäher):
Fleischabfälle, gekochte Kartoffeln, Brot, Obst, Beeren

Entenvögel: Getreidekörner, altes Brot (eingeweicht), Grünzeug

Bestehen gesundheitliche Risiken beim Umgang mit wildlebenden Vögeln?
Obwohl Vögel regelmässig Träger und Ausscheider von Infektionserregern sind, sind Übertragungen auf den Menschen und nachfolgende Erkrankungen äusserst selten. Wenn die elementaren Hygienegrundsätze beachtet werden, besteht beim Umgang mit wildlebenden Vögeln kein besonderes gesundheitliches Risiko. In Betrieben der Lebensmittelverarbeitung gelten allerdings höhere Anforderungen und ein direkter Kontakt der Vögel oder deren Ausscheidungen mit Lebensmitteln muss möglichst verhindert werden. Vor allem Salmonellen-Infektionen können bei Vogelansammlungen an Futterhäuschen zum Tod auch einer grösseren Anzahl von Individuen führen. Offenbar sind Erlenzeisige besonders stark betroffen. Treten im Bereich von Futterstellen tote Vögel auf, sollte die Fütterung sofort eingestellt und das Futterhäuschen gründlich gereinigt werden (z.B. mit mindestens 80° heisser Schmierseifenlösung).
 

 

Verletzte und Kranke Vögel

Vögel sind in der Regel scheu und lassen sich nicht ergreifen. Finden wir einen teilnahmslos dasitzenden oder daliegenden ausgewachsenen Vogel, müssen wir annehmen, dass er verletzt oder krank ist. Am besten stecken wir ihn in eine Kartonschachtel und bringen ihn an einen ruhigen Ort. Beim Einfangen ist bei wehrhaften Arten Vorsicht geboten.

Greifvögel und Eulen können Ihnen mit den Krallen schmerzhafte Verletzungen zufügen, weshalb für deren Behändigung das Tragen von Lederhandschuhen von Vorteil ist. Reiher und Haubentaucher stossen mit ihrem spitzen Schnabel gegen das Gesicht (Augen!) und haben wegen ihres langen beweglichen Halses eine erstaunliche Reichweite.

Wenn Sie den Zustand des Vogels selbst beurteilen können und allenfalls die Behandlung selbst übernehmen möchten, erhalten Sie unten stehend einige Hinweise zum Vorgehen. Im Zweifelsfall bringen Sie den Vogel lieber sofort einer Spezialistin oder einem Spezialisten, wo er fachgerecht betreut wird. Greifvögel und Eulen gehören in jedem Fall in die Hände einer Person mit Erfahrung in der Betreuung dieser heiklen Pfleglinge. Der

Schweizer Vogelschutz oder die Schweizerische Vogelwarte Sempach können Ihnen Adressen von Pflegestationen vermitteln. Wenn Sie einen wildlebenden Vogel in Ihrer Obhut behalten, benötigen Sie gemäss Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel vom 20.6.1986 eine Bewilligung des Kantons (Jagdverwaltung).

Für den Transport wird der Vogel in eine seiner Grösse angepasste Kartonschachtel (mindestens 15 x 15 x 30 cm) mit Luftlöchern gesteckt. Es wird kein Polstermaterial hinein gegeben, nur eine dicke Lage Haushaltpapier zum Aufsaugen von Flüssigkeit. Das noch intakte Gefieder muss unbeschädigt bleiben, da gebrochene Federn nicht regeneriert, sondern erst bei der nächsten Mauser ersetzt werden.

Ausser in den oben stehenden Fällen müssen verletzte und kranke Vögel durch erfahrene Personen behandelt werden. Sehr häufig ist der Beizug eines Tierarztes unumgänglich. Viele Tierärzte behandeln Wildvögel gratis. Klären Sie aber zur Sicherheit die Kostenfrage vorher ab.


Adressen:
Kantonales Tierspital, Abt. für Zoo-, Heim- und Wildtiere,
Winterthurerstr. 270, 8057 Zürich, 044 635 81 11

Schweizer Vogelschutz (SVS), Geschäftsstelle, Postfach,
8036 Zürich, 044 457 70 20

Schweizerische Vogelwarte, 6204 Sempach, 041 462 97 00